Dec 01

Emotionales Barriere-GIS als neues Instrument zur Identifikation und Optimierung stadträumlicher Barrieren für mobilitätseingeschränkte und behinderte Menschen

DeckblattBenjaminBergner

Die vorliegende Arbeit „Methodische und praktische Fundierung zur Etablierung des EmBaGIS“ befasst sich mit der Entwicklung eines innovativen Planungsinstrumentes zur Identifikation und Optimierung stadträumlicher Barrieren für mobilitätseingeschränkte und behinderte Menschen. Die konkrete Zielsetzung beinhaltet eine bewusste Mischung von Top-Down- und Bottom-Up-Ansatz. Nach einer breiten theoretischen Fundierung in den Bereichen stadträumlicher Barrieren, der subjektiven Lebensqualitätsforschung und der Emotionsforschung stellt sich die Arbeit der relevanten Zukunftsherausforderung der Schaffung einer umfassenden Barrierefreiheit und damit einer gleichberechtigten Teilhabe behinderter Menschen am Lebensalltag. Zu diesem Zweck wird das Instrument „Emotionales Barriere-GIS“ (kurz EmBaGIS) entwickelt, das umfassend den klassisch planerischen Ansatz der barrierespezifischen Bestandsaufnahme und –Analyse, zusammen mit einer empirischen Teilkomponente, hin zu einer städtebaulichen Optimierung und der Formulierung eines Maßnahmenkatalogs führt.
Während in der Vergangenheit die Barrierefreiheit, neben dem klassisch planerischen Ansatz, empirisch durch retrospektive Selbstberichte festgestellt wurde, so ist insbesondere diese Art der Bestandsaufnahme nach heutigen Gesichtspunkten überholt. Zur Feststellung der Barrierefreiheit aus Sicht der Betroffenen wird in dieser Arbeit erstmals eine neue Methode zur empirischen Messung der Raumerfahrung und, damit einhergehend, der mentalen Belastung in Verbindung mit stadträumlichen Barrieren angewandt. Die Methode des psychophysiologischen Monitorings zeichnet mit Hilfe technischer Geräte bei gleichzeitiger Verortung autonome Körperfunktionen auf, welche auf affektive Moment-zu-Moment-Emotionen schließen lassen. Hiermit wird es möglich punktgenaue Stressreaktionen, welche explizit mit baulichen und räumlichen Barrieren in Verbindung gebracht werden können, zu erfassen. Somit können objektive und valide Individualdaten der Stadtplanung zur Beurteilung der Barrierefreiheit zu Verfügung gestellt werden. Dabei steht der Mensch als Messfühler im Vordergrund der Planung.
In diesem Kontext werden innerhalb der Arbeit zwei empirische Studien zur Messung der Raumerfahrung und mentalen Belastung behinderter Menschen durchgeführt – zum einen mit sehbehinderten und blinden Menschen, zum anderen mit gehbehinderten Menschen. Die Auswertung der gewonnen, individuellen Stressreaktionen der Probanden haben in Verbindung mit der kompletten Instrumentenanwendung zu einer argumentations- stützenden Feststellung und Optimierung stadträumlicher Barrieren geführt. Die Ergebnisse der Studien lassen den Schluss zu, dass der umfassende Instrumentenansatz des „EmBaGIS“ durchaus erfolgreich erprobt wurde. Es sind dennoch weitere Optimierungs- und Handlungsbedarfe im Kontext der Instrumentenentwicklung in Zukunft notwendig.
Nicht zuletzt durch die erfolgreiche Anwendung des „EmBaGIS“ in der Praxis lassen sich konkrete Chancen und Perspektiven des Instrumenteneinsatz in der Stadtentwicklungs- planung als informelles Planungsinstrument ausmachen. Das „EmBaGIS“ bietet eine bisher nicht dagewesene Möglichkeit, objektive und valide Individualdaten betroffener Menschen für die Stadtplanung darzubieten und somit dem essentiell wichtigen Partizipationsgedanken in der Planung inhaltlich deutlich voran zubringen.

Diplomarbeit zum Downloaden

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3 Responses to “Methodische und praktische Fundierung zur Etablierung des EmBaGIS | Benjamin Bergner”

  1. […] des “Emomapping” und “Tracking People” Projektes (für weitere Infos vgl. DA Bergner). Anhand der Methodik von EmbaGIS wird am 21.3.2011, mittags eine Studie zur Barrierefreiheit […]

  2. […] und behinderte Menschen. Diplomarbeit TU Kaiserslautern. FG CPE. Kaiserslautern. 2010. [Online] [zitiert 2011 Mai […]

  3. […] Genau dieses Ziel verfolgte der Workshop Emotional Mapping, bei die Teilnehmer eine Strecke begehen und begreifen sollten. Ein gemütliches Flanieren sollte die Wahrnehmung schulen und die Aufmerksamkeit auf die Besonderheiten des Ortes lenken.   Dabei wurden die Teilnehmer mit einem Smartband ausgerüstet, welches die psychophysiologischen Reaktionen misst und Rückschlüsse auf den emotionalen zutsand der Teilnehmer gibt (Für Interessierte gibt es eine einführende Präsentation und die  Diplomarbeit von B. Bergner). […]

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