Dec 08

Thema des Entwurfs ist nicht ein Gebäude, sondern eine Metastruktur, die sich aus Netzwerkkonzepten, Softwarevorschlägen, Schnittstellen, Kommunikationsmitteln, realen und virtuellen Räumen und schließlich auch dem, was man unter Architektur versteht, zusammensetzt.
Die Hardware bildet den funktionellen Rahmen um eine sich ständig wandelnde, wachsende und  sich verformende Software aufzunehmen. Die wesentliche Funktion des Gebildes ist die eines Interfaces (Schnittstelle) zwischen Mensch und elektronischem Medium zum einen sowie zwischen Individuum und Kollektiv zum anderen. In der räumlich beschränkten Sphäre kann das Individuum den Übergang zum virtuellen Raum vollziehen. Innerhalb der Stadtstruktur werden die Bewohner über selektive Projektionen an jeder Stelle die täglichen Informationen erhalten. Über Fernbedienungen wird der Bewohner mit digitalen Fernsehern und anderen informationstechnischen Geräten interagieren. Die elektronische Ausstattung der Bewohner wird von Kopfhörern über Datenhandschuhe bis hin zu Datenhelmen reichen. Sie befinden sich in diesem Moment in einer Bitarchitektur, die zunächst eine großzügige reale Architektur obsolet erscheinen läßt.
Ziel einer gebauten architektonischen Software mußte es nun jedoch sein, den realen gesellschaftlichen Kontakt, die zwischenmenschliche Interaktion zu gewährleisten.  Das vernetzte Interagieren und die menschliche, natürliche Kontaktaufnahme sind in einer solchen Stadt als gleichwertig zu betrachten und doch vollkommen unterschiedlich zu bewerten und zu bearbeiten. Nur durch die Koexistenz von Cyberspace und physischer Realität entsteht die Möglichkeit zur Planung und zum Aufbau wirklich globaler Gesellschaften. Architekten und Planer werden sich  in der Zukunft immer öfter damit beschäftigen müssen, welche Funktionen der physikalisch konstruierten Hardware und welche der symbolisch codierten Software zustehen und welche Rolle der  wirkliche Raum und welche die virtuellen Orte spielen.

Die Komplexe Struktur der Km hoch 3 City verlangt nach einer architektonischen und städtebaulichen Struktur, die nicht ausschließlich durch modulares Wachstum gelöst werden kann. Auch eine endgültige Gestalt ist kaum darstellbar und nicht wünschenswert. Ständige Veränderung, Wachstum und Raum zur individuellen und gesellschaftlichen Selbstverwirklichung sind Schlagworte, die diese wie jede andere Stadt weiterhin charakterisieren.
Der Wiedererkennungswert unterschiedlicher Viertel, die Vielfältigkeit der Stadt und der, die räumlichen Grenzen der Cubiccity sprengende Cyberspace führen zu einer nachhaltigen Lebensqualität, die sich dem flüchtigen Betrachter der Stadt nicht auf Anhieb offenbaren.
Würde sich die physische Stadtstruktur in einer bloßen Ansammlung von gleichartigen Modulen erschöpfen, so würde sich der menschliche Geist seine räumlichen Freiheiten im Cyberspace verwirklichen. Da das Entwurfsziel aber eine reale Struktur und eine echte menschliche Interaktion ist, manifestiert sich diese in einer wandlungsfähigen, heterogen Metastadtstruktur.
Innerhalb diser Struktur gilt es nun die Netzwerke der verschiedenen Bereiche miteinander zu verbinden. Das Körpernetz mit dem Gebäudenetz, das Gebäudenetz mit dem Ebenennetz und das Ebenennetz mit der Gesamtmetastruktur.

Wie schon erwähnt kann nur durch die Koexistenz von Cyberspace und physischer Realität die Möglichkeit zur Planung und zum Aufbau wirklich globaler Gesellschaften entstehen.
Das Innere muß eine mediale Vielfalt bieten, um den zeitweise unterbrochenen Kontakt nach draußen zu kompensieren und die innere Organisation zu ermöglichen. Die mögliche Organisation der Struktur muß allerdings bedacht und auch der Aufenthalt im Freien muß für die Bewohner zu jeder Zeit gewährleistet sein.
Auf überdimensionalen Terrassen und sich daran anschließende Grüngürtel rund um Cubiccity kann der Bewohner sämtliche Freizeitaktivitäten wahrnehmen. Über das innere Erschließungssystem sind die Terrassen überall zu erreichen. Das Erschließungssystem gibt Baufelder innerhalb der Ebenen vor.
Jede Ebene mit einer Höhe von minimal 20m ermöglicht eine freie Entwicklung innerhalb der Baufelder. Eine Verbindung der Ebenen und der vertikale Charakter ergeben sich über Atrien verschiedener Größen. Im Kern befindet sich ein Atrium, welches sich über die gesamte Höhe der quadratischen Struktur erstreckt. Sie bilden die Knotenpunkte der vertikalen und horizontalen Erschließung. Gegebenenfalls entstehen Verbindungen gleicher oder verschiedener Nutzungen über die Grenzen der Hauptebenen hinweg. Nach den durchgespielten Nutzungsverteilungen ergaben sich trotz unabhängiger und dadurch unterschiedlicher Entwicklungen innerhalb einer Ebene Wiederholungen an gleicher Stelle auf über- oder untergeordneten Hauptebenen, sodaß diese auch in der Vertikalen als durchgehende Struktur zusammengefaßt werden können.
Technisch gesehen müssen sämtliche Elemente tragend sein, es müssen demnach auch für verschiedene Nutzungen wie Wohnen, Freizeit und Arbeit verschiedene tragende Konstruktionen entwickelt werden und als  tragende Elemente ausgebildet sein. Nur so läßt sich eine auf einander aufbauende „Stadtentwicklung“ ermöglichen und somit den gegebenden quadratischen Raum optimal ausnutzen.
Innerhalb der Erschließungskorridore verlaufen neben einem Rampensystemen, welches die Ebenen erschließt, Laufbänder dreier  verschiedener Geschwindigkeiten in der Horizontalen und ermöglichen so das Erreichen sämtlicher Punkte auf verschiedenen Höhen in angemessenen Zeiten. In der Vertikalen verlaufen kleine Aufzüge innerhalb der einzelnen Hauptebenen. Ebenenübergreifend verlaufen schnellere Aufzüge und bringen Menschen und Material von unten nach oben und zurück. Die Aufzüge befinden sich immer in den Knotenpunkten der horizontalen Erschließungsbänder. Jedes weitere Fortbewegungsmittel innerhalb Cubiccitiys entfällt daher.
Durch einen Industriebereich im unteren Teil und einen Grünbereich im oberen Teil der kubischen Stadtstruktur wird die Versorgung mit Nahrungsmitteln und Gütern gesichert und somit die Autarkie ermöglicht. Der Industriebereich dient als Verbindungsglied zwischen Stadt und den jeweils vorzufindenden Ressorcen im Boden. Diese werden zur Versorgung der gesamten Struktur aus dem Boden aufgenommen, weiterverarbeitet und auf die Ebenen je nach Bedarf verteilt. Der Grünbereich auf der obersten Ebene nutzt das Sonnenlicht und ermöglicht neben den künstlich betriebenen Kultivatoren im Inneren die Versorgung mit Agrargütern zur Ernährung.
Es werden so die Voraussetzungen und ein Rahmen geschaffen, eine solche Struktur funktionsfähig zu gestalten bzw. ihre Entwicklung zu ermöglichen.

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